Zoff in der FIVA?

Zunächst einmal wünscht der gesamte Vorstand der Initiative Kulturgut Mobilität e.V. Ihnen und Ihren Angehörigen ein gutes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2014!

KulturgutEingeläutet wird die neue Saison bereits im Januar am 11. und 12.01.2014 in Augsburg. Erstmals nimmt die Initiative Kulturgut Mobilität als Aussteller daran teil und wir würden uns freuen, Sie begrüßen und Ihre Fragen beantworten zu dürfen.

An der letzten FIVA-Hauptversammlung, die Mitte November 2013 in Split stattfand, wurde Horst Brüning als Präsident vom Franzosen Patrick Rollet abgelöst, der versprach, den Konsolidierungskurs des Verbands, den Horst Brüning eingeleitet hatte, fortzusetzen. Wie in jedem Jahr, stellten auch diesmal die verschiedenen Kommissionen ihre Arbeit des abgelaufenen Jahres vor, wobei die Kulturkommission einen Zwischenstand zu ihrer Arbeit am Glossar zur Charta von Turin abgab.

Eine so wichtige Entwicklung wie die Präzisierung von derzeit sehr beliebig verwendeten Begriffen wie “Original”, “Patina” oder “Restaurierung” kann nicht ohne Kontroverse oder Diskussionen ablaufen. Umso erstaunter nahm daher die Kulturkommission den Artikel “Krach im Weltverband der Oldtimerclubs” in der aktuellen Auto Bild Klassik (02-2014) zur Kenntnis. Ungläubig mußten wir seitens der Kommission zur Kenntnis nehmen, daß man uns eine Verkennung der Bedeutung von historischen Alltagswagen, den sogenannten “Brot- und Butter-Autos” unterstellt und wir diese Fahrzeuge als “wertlos” einstufen würden. Dies ist schlicht und ergreifend falsch und weisen wir auch energisch zurück! Es würde sowohl der Philosophie der FIVA als auch jener der Initiative Kulturgut Mobilität völlig widersprechen. Durch schlichte Nachfrage bei einem der Kommissionsmitglieder wäre dieser fatale Eindruck gar nicht erst entstanden.

Die von Herrn Eckel im Artikel beanstandete angeblich “fehlende Bodenhaftung” und eine Vernachlässigung “der gesellschaftlichen Dimension” ist nicht nachvollziehbar. Eine wichtige Aufgabe des Fachglossars besteht darin, die verschiedenen Facetten von Umbauten, Nachbauten, Replicas, Rekonstruktionen bis hin zur bewußten Fälschung genauer zu beschreiben und zu unterscheiden. Diese Phänomene treten allerdings bei den meisten Brot- und Butterautos gar nicht auf, so daß sich die entsprechenden Beispiele im Glossartext zwangsläufig auf sog. “elitäre” Fahrzeuge beziehen müssen. Die gesellschaftliche und geschichtliche Relevanz ganz gewöhnlicher und einfacher Fahrzeuge wird dort gleichzeitig als wichtiger kultureller Aspekt historischer Fahzeuge thematisiert.

Durch das Glossar verbindet die FIVA zum erstenmal den umgangssprachlichen Wortschatz im Bereich der historischen Fahrzeuge mit den Fach-Definitionen, die im Umgang mit Kulturgütern seit den 1960er-Jahren entwickelt und inzwischen international fest etabliert sind.

Wie Herr Jakumeit in seinem Kommentar richtig zusammenfaßt, geht es bei diesem Thema um mehr als Profilneurosen oder angeblich einfache Lösungen für sehr komplexe Fragen. Daß so etwas langsam und gründlich entwickelt werden muß, um alle wichtigen Details in den verschiedenen Mentalitäten und Sprachen einer internationalen Organisation wie der FIVA mit einzubeziehen, versteht sich eigentlich von selbst.

Wer sich nun angeregt von der Diskussion rund um die geschichtliche und gesellschaftliche Relevanz von historischen Fahrzeugen animiert sieht, sich unter selbigen zu bewegen, dem sei ein Besuch ins seit Ende November in Singen/Htw. eröffneten “MAC Museum Art & Cars” nahegelegt, das die beiden Stifter und Vorstände Gabriela und Hermann Maier mit viel Herzblut und Liebe zum Detail gestaltet sowie ihre beiden Leidenschaften darin miteinander verbunden haben: Kunst und Automobile. Das Museum ist die neue Heimat der Südwestdeutschen Kunststiftung, gelegen unterhalb der Festungsruine Hohentwiel und architektonisch der Silhouette derselben nachempfunden. Von Oldtimerseite ist im Augenblick noch die Ausstellung “Wachgeküßt” zu bewundern, die acht teil- und unrestaurierte Fahrzeuge aus den Lagerräumen der Collection Schlumpf aus Mulhouse beinhaltet, an denen der Zahn der Zeit teilweise schon mächtig genagt hat – sehr sehenswert und von Kurator Christoph Karle treffend ausgesucht!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen angeregte Diskussionen rund um die geschichtliche und gesellschaftliche Relevanz von historischen Fahrzeugen.