Versteigerung W 196-Werksrennwagen

Im Rahmen des Goodwood Festival of Speed im englischen Chichester versteigert Bonhams am 12. Juli einen W 196 Silberpfeil. Der damals von Juan Manuel Fangio pilotierte Rennwagen gewann 1954 den Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Auch beim Großer Preis der Schweiz in Bern sah er als erster die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

Konservativen Schätzungen zu Folge soll der Wagen fünf Millionen britische Pfund Sterling erzielen. Realistischer sind Insider-Schätzungen, die von bis zu 40 Millionen US-Dollar ausgehen.

Der Siegerwagen Fangio’s aus der Saison 1954 mit der Nummer 00006/54 ging 1973 an das National Motor Museum Beaulieu. Im Gegensatz zu den damals sonst üblichen Dauerleihgaben ungewöhnlicherweise aber als Spende. Zweck: “Gegenwärtigen und zukünftigen Generationen die Möglichkeit zu geben, sich mit den Pioniertagen der Geschichte des Automobils zu vertraut zu machen”, so eine Verlautbarung der damaligen Daimler-Benz AG.

1987 kam dann alles anders als geplant. Lord Montague, Leiter des Museums, benötigte Mittel für die Bibliothek und das Museumsarchiv. Eine entsprechende Anfrage via Mercedes-Benz UK an das Stuttgarter Mutterhaus blieb erfolglos. Eine Intervention seitens des damaligen Museumschefs Max-Geritt von Pein respektive Mercedes-Benz Vorstand Prof. Jürgen Hubbert, um den Verkauf zu verhindern, war genauso so wenig von Erfolg gekrönt. Neuer Eigentümer war demzufolge ein britischer Sammler. In der Folgezeit fand der W 196 in Frankreich, Deutschland und Katar eine neue Heimat. Angeblich ist der aktuelle Besitzer wieder ein Deutscher. James Knight, Sprecher des Auktionshauses Bonhams, meinte, dass der aktuelle Besitzer anonym bleiben wolle. Verständlich, denn der Ertrag wird in England erwirtschaftet und damit weit weg von irgendwelchen Fiskalbehörden des europäischen Festlandes. Fakt ist dagegen, dass der letzte Fahreinsatz in der Öffentlichkeit schon etwas länger zurück liegt: Classic & Sports Car-Redakteur Willie Green war der letzte in Monaco im Jahre 2000.

Wenig nachvollziehbar sind demgegenüber die Äußerungen von Robert Brooks, Bonhams-CEO. Im Rahmen der Präsentation im Londoner Hauptquartier: „It’s been stored in a warehouse and largely forgotten about for nearly 30 years” (Er wurde in einem Lagerhaus eingelagert und für nahezu 30 Jahre vergessen).

Und Mercedes-Benz Classic? Sprecher Malte Dringenberg äußerte sich wie das berühmte Orakel von Delphi. Ob mitgeboten werde sei offen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wolle man sich “nicht zu einem Engagement unseres Hauses als Bieter äußern”. Zu unterstellen ist in jedem Fall ein nicht zu verhehlendes Interesse. “Mercedes-Benz wird das Team des Auktionshaus Bonhams’ im Rahmen seiner Möglichkeiten bei den Recherchen nach historischen Fakten zu diesem Fahrzeug unterstützen”, so Dringenberg. Das Unternehmen will Bonhams eine Expertise anbieten, die die Echtheit der einzelnen Bauteile bestätigt. Das würde allerdings den Wert wohl noch weiter in die Höhe treiben. Ob das Ganze sinnvoll ist sei dahin gestellt. Letztendlich handelt es sich schließlich um einen Werksrennwagen.