Silberpfeile der 1950er-Jahre im Louwman Museum

Sonderausstellung vom 7. Juli bis 2. September 2018

Das Louwman Museum in Den Haag zeigt in enger Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz Classic eine Sonderausstellung zu den Mercedes-Benz Rennwagen der 1950er-Jahre. Insgesamt sieben berühmte Fahrzeuge aus der Sammlung des Unternehmens sind vom 7. Juli bis 2. September 2018 im Louwman Museum zu sehen. Dazu gehören die 300 SL und 300 SLR Rennsportwagen, die Formel-1-Fahrzeuge W 196 R sowie der Rennwagen-
Schnelltransporter „Das blaue Wunder“.

Die Rennsport-Stars der 1950er-Jahre gehen auf eine exklusive Reise: 

Im Sommer 2018 zeigt das niederländische Louwman Museum in Den Haag die Sonderausstellung „Silver Arrows. Mercedes-Benz Racing Cars of the 1950s“. Es ist die zweite Ausstellung des renommierten Museums zu den Mercedes-Benz Silberpfeilen. Von Oktober 2012 bis Januar 2013 zeigte das Haus bereits „Silver Arrows 1934–1939“.

Insgesamt sieben berühmte Fahrzeuge aus der zweiten Epoche der Silberpfeile stellt Mercedes-Benz Classic für die neue Ausstellung zur Verfügung. Die Exponate schlagen den Bogen vom Wiedereinstieg der Stuttgarter Marke in den Motorsport im Jahr 1952 mit dem 300 SL Rennsportwagen (W 194) bis zur überaus erfolgreichen Wettbewerbssaison im Jahr 1955.

  • Für den Gewinn der beiden Formel-1-Weltmeisterschaften 1954 und 1955 durch Juan Manuel Fangio stehen die 2,5-Liter-Rennwagen W 196 R mit Stromlinienkarosserie und mit frei stehenden Rädern.
  • Ein Exponat mit besonderem Bezug zur niederländischen Motorsportgeschichte ist dabei der W 196 R mit der Startnummer 10: Auf diesem Fahrzeug mit frei stehenden Rädern kommt Stirling Moss beim Großen Preis von Holland am 19. Juni 1955 in Zandvoort auf Platz 2 ins Ziel – knapp hinter seinem Teamkollegen Juan Manuel Fangio.
  • Der 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S) in der besonderen Ausführung mit „Luftbremse“ erinnert an den Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1955. 
  • Der 300 SL „Gullwing“ (W 198) schließlich ist Zeitzeuge der Rennerfolge mit Seriensportwagen.
  • Besondere Einzelstücke sind das 300 SLR „Uhlenhaut- Coupé“ und der Rennwagen-Schnelltransporter. Das 1955 entwickelte Coupé des W 196 S ist für Wettbewerbe in der Saison 1956 vorgesehen. Es kommt aber aufgrund des Ausstiegs der Stuttgarter Marke aus dem Motorsport zum Ende der Saison 1955 nicht mehr zum Einsatz. Berühmt wird es als sportlicher Dienstwagen von Rudolf Uhlenhaut, damaliger Versuchschef von Daimler-Benz.
  • Der Rennwagen-Schnelltransporter mit dem Spitznamen „Das blaue Wunder“ entsteht für besonders eilige Transporte zwischen Werk und Rennstrecken in der Saison 1955.

Mercedes-Benz Renntransporter von 1954/55, “Schnellster Transporter der Welt”, Nachbau von 2001.

Museum von Weltrang

Das 2010 an seinem heutigen Standort eröffnete Louwman Museum ist die Heimat der ältesten öffentlich zugänglichen privaten Automobilsammlung der Welt. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist in Den Haag eine herausragende Sammlung klassischer Fahrzeuge und automobiler Kunst zu sehen. Das Louwman Museum hat den Rang eines nationalen Motormuseums der Niederlande.
Das Museum geht zurück auf die in den 1930er-Jahren begründete Sammlung von Pieter Louwman. Heute führt Evert Louwman, der Sohn des Gründers, das Museum. Die ständige Ausstellung ist in die Bereiche „Frühzeit der
Motorisierung“ („The Dawn of Motoring“), „Autofahren“ („Motoring“), „Rennsport“ („Racing“) und „Luxus“ („Luxury“) gegliedert. Zu den Beständen gehört unter anderem die weltgrößte Sammlung von Fahrzeugen der Marke Spyker. Der 1887 gebaute De Dion-Bouton et Trépardoux des Museums gilt als das zweitälteste Auto der Welt.

Der 2010 eröffnete heutige Museumsbau ist ein Entwurf der amerikanischen Architekten Michael Graves und Gary Lapera. Vor der Verwirklichung des dreistöckigen Ensembles war die Sammlung der Familie Louwman in
Leidschendam und Raamsdonksveer unter den Namen „Nationaal Automobiel Museum“ und „Louwman Collection“ zu sehen.

„Silver Arrows. Mercedes-Benz Racing Cars of the 1950s“ im Louwman Museum: die Fahrzeuge von Mercedes-Benz Classic 

Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194, 1952)

Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194) – Mit dem 300 SL Rennsportwagen tritt Mercedes-Benz 1952 und damit zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder im internationalen Motorsport an. Eine strömungsgünstige Karosserie aus Leichtmetall wölbt sich über den extrem leichten, aber dennoch sehr verwindungssteifen Gitterrohrrahmen, dessen hoch bauende Seitenteile die charakteristischen Flügeltüren erfordern. Beim ersten Renneinsatz zur Mille Miglia 1952 fährt der 300 SL mit Karl Kling und Hans Klenk auf den zweiten Platz. Danach geht es Schlag auf Schlag: Der 300 SL erzielt einen Dreifachsieg beim Preis von Bern (Schweiz), gefolgt von spektakulären Doppelsiegen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans (Frankreich) und bei der Carrera Panamericana in Mexiko. Beim „Großen Jubiläumspreis vom Nürburgring“ erringt der 300 SL, hier in einer offenen Version, sogar einen Vierfachsieg. Das ausgestellte Fahrzeug mit der Chassis-Endnummer 2 ist der älteste bis heute erhaltene SL und verfügt noch über die kurzen nur bis zur Bordkante reichenden Türen.
Technische Daten Einsatz: 1952 Zylinder: 6/Reihe Hubraum: 2.996 cm³ Leistung: 125 kW (170 PS) Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h 

Mercedes-Benz 2,5-Liter-Formel-1-Stromlinienrennwagen (W 196 R, 1954 bis 1955)

Mercedes-Benz 2,5-Liter-Stromlinienrennwagen W 196 R – Mit dem W 196 R Stromlinienwagen kehrt Mercedes-Benz 1954 nach 15-jähriger Pause in den Grand-Prix-Sport zurück. Der neue Formel-1-Wagen ist auf das gerade erst in Kraft getretene Reglement abgestimmt, das einen Hubraum von maximal 2,5 Litern vorschreibt. Der von Grund auf neu konstruierte Motor ist als Reihenachtzylinder mit Benzineinspritzung ausgeführt und ermöglicht dank seiner desmodromischen Ventilsteuerung, die die üblichen Ventilfedern überflüssig macht, Drehzahlen jenseits von 8.000 U/min. Gleich beim ersten Rennen am 4. Juli 1954 in Reims landen Juan Manuel Fangio und Karl Kling einen Doppelsieg. Zum Einsatz kommt hier die futuristisch wirkende Version mit Stromlinienkarosserie, die für schnelle Rennstrecken wie die in Reims konzipiert ist. Nach drei weiteren Siegen ist Fangio am Ende der Saison Formel-1-Weltmeister. Mit der verbesserten Version des Stromlinienwagens gewinnt er 1955 den Großen Preis von Italien in Monza und wird erneut Weltmeister auf Mercedes-Benz.
Technische Daten Einsatz: 1954 bis 1955 Zylinder: 8/Reihe Hubraum: 2.497 cm³ Leistung: 188 kW (256 PS) bis 213 kW (290 PS) Höchstgeschwindigkeit: mehr als 300 km/h

Mercedes-Benz 2,5-Liter-Formel-1-Rennwagen (W 196 R, 1954 bis 1955)

Mercedes-Benz 2,5-Liter-Rennwagen W 196 R – Bei den meisten Formel-1-Rennen der Jahre 1954 und 1955 kommt der W 196 R in einer Version mit frei stehenden Rädern zum Einsatz. Diese ist für kurvenreiche Strecken besser geeignet, weil der Fahrer die Vorderräder stets im Blick hat. Die Premiere dieser Variante beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring im August 1954 endet, wie bereits beim Stromlinienwagen vier Wochen zuvor, mit einem Sieg von Juan Manuel Fangio. Für seine zweite Saison erhält der W 196 R ein gerades Saugrohr, das eine Leistungssteigerung ermöglicht und an einer zusätzlichen Wölbung auf der linken Seite zu erkennen ist. Zudem kommt er mit unterschiedlichen Radständen zum Einsatz, und auch die Anordnung der Trommelbremsen wird variiert. Das Ergebnis ist erneut ein überlegener Rennwagen. Zu den Highlights der Saison 1955 zählt der Doppelsieg der Silberpfeile im niederländischen Zandvoort. Fangio siegt vor seinem Teamkollegen Stirling Moss und gewinnt den Weltmeistertitel zum zweiten Mal auf Mercedes-Benz.
Technische Daten Einsatz: 1954 bis 1955 Zylinder: 8/Reihe Hubraum: 2.497 cm³ Leistung: 188 kW (256 PS) bis 213 kW (290 PS) Höchstgeschwindigkeit: bis zu 300 km/h

Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S, 1955

Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S) – Den 300 SLR (W 196 S) entwickelt Mercedes-Benz für die Sportwagen-Weltmeisterschaft 1955 aus dem erfolgreichen Formel-1-Rennwagen W 196 R. Neben der zweisitzigen Karosserie besteht der Hauptunterschied im Motor: Der Rennsportwagen ist nicht an das Hubraumlimit der Formel 1 gebunden und wird von einer Dreiliter-Version des Reihenachtzylinders angetrieben, die keinen speziellen Rennkraftstoff benötigt, sondern mit regulärem Superbenzin läuft. Sein hohes Leistungspotenzial sowie seine unübertroffene Standfestigkeit und Zuverlässigkeit machen den 300 SLR seinen Konkurrenten 1955 weit überlegen: Die Doppelsiege bei der Mille Miglia, beim Eifelrennen, beim Großen Preis von Schweden und der Targa Florio (Sizilien), der Dreifachsieg bei der Tourist Trophy in Irland und der Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Ausgestellt ist das erste von insgesamt neun gebauten Fahrzeugen, das mit der ungewöhnlichen Luftbremse ausgerüstet ist.
Technische Daten Einsatz: 1955 Zylinder: 8/Reihe Hubraum: 2.982 cm³ Leistung: 222 kW (302 PS)
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 300 km/h

Mercedes-Benz 300 SLR „Uhlenhaut-Coupé“ (W 196 S, 1955)

Mercedes-Benz 300 SLR „Uhlenhaut-Coupé“ (W 196 S) – Die geschlossene Version des Rennsportwagens 300 SLR wird für die Saison 1956 entwickelt, um den Fahrern des Mercedes-Benz Teams bei den strapaziösen Langstreckenrennen besseren Schutz zu bieten. Sie kommt jedoch nie zum Renneinsatz, weil Mercedes-Benz 1955 nach Saisonabschluss aus dem Motorsport aussteigt. Stattdessen dient das 300 SLR Coupé dem Leiter der
Versuchsabteilung, Rudolf Uhlenhaut, als Dienstwagen. Daran erinnert heute der Beiname „Uhlenhaut-Coupé“. Der 300 SLR ist so robust und alltagstauglich, dass Mercedes-Benz eines der beiden Coupés im Sommer 1955 der „Automobil Revue“ für Hochgeschwindigkeitsversuche und einen Langstreckentest über 3.500 Kilometer überlässt. In ihrem Testbericht lobt die Schweizer Fachzeitschrift die sicheren Fahreigenschaften des Traumsportwagens auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h, einem für damalige Verhältnisse
herausragenden Bestwert. Heute gilt das unverkäufliche „Uhlenhaut-Coupé“ als potenziell wertvollstes Automobil.
Technische Daten Einsatz: 1955 Zylinder: 8/Reihe Hubraum: 2.982 cm³ Leistung: 222 kW (302 PS)
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 300 km/h

Mercedes-Benz 300 SL „Gullwing“ (W 198) mit der Startnummer 417 der Mille Miglia 1955

Mercedes-Benz 300 SL „Gullwing“ (W 198) – Der 1954 präsentierte 300 SL Seriensportwagen (W 198) basiert auf dem gleichnamigen Rennsportwagen (W 194), der in der Saison 1952 spektakuläre Erfolge erzielte. Die innovative Benzineinspritzung ermöglicht eine Leistungssteigerung von 20 Prozent gegenüber der vergaserbestückten Rennsportausführung. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h ist der 300 SL der schnellste Serienwagen seiner Zeit und damit auch für Motorsporteinsätze prädestiniert. Bei der Mille Miglia 1955 erringen John Cooper Fitch und sein Beifahrer Kurt Gessl in dem 300 SL mit der Startnummer 417 den fünften Platz im Gesamtklassement. Im gleichen Jahr gewinnt Paul O’Shea auf 300 SL die Amerikanische Sportwagen-Meisterschaft der Kategorie D, und Werner Engel holt die Tourenwagen-Europameisterschaft.
Von 1954 bis 1957 entstehen insgesamt 1.400 Fahrzeuge des Traumsportwagens, und 1999 wird der 300 SL „Gullwing“ von einer Jury aus Fachjournalisten zum Sportwagen des Jahrhunderts gekürt.
Technische Daten Produktionszeitraum: 1954 bis 1957 Zylinder: 6/Reihe Hubraum: 2.996 cm³ Leistung: 158 kW (215 PS) Höchstgeschwindigkeit: bis zu 250 km/h

Mercedes-Benz Rennwagen-Schnelltransporter „Das blaue Wunder“

Mercedes-Benz Rennwagen-Schnelltransporter – Mit dem „schnellsten Renntransporter der Welt“ sorgt Mercedes-Benz auch neben der Rennpiste für Aufsehen. Aus dem Hochleistungsmotor des 300 SL, einem modifizierten Rahmen des 300 S sowie Türen, Scheinwerfern und Blinkleuchten des „Ponton“-Typs 180 entsteht ein optisch und technisch einzigartiges Fahrzeug, das je nach Zuladung bis zu 170 km/h schnell ist. Konzipiert ist das Einzelstück, das als „Das blaue Wunder“ bekannt wird, vor allem für Sondereinsätze, wenn ein Rennwagen nach letzten Abstimmungen oder Änderungen schnell zur Strecke gebracht werden muss oder nach dem
Rennen umgehend zurück ins Werk soll, um mehr Zeit für Wartungsarbeiten und Reparaturen zu haben. 1967, zwölf Jahre nach dem Motorsportausstieg von Mercedes-Benz, wird das Einzelstück verschrottet. Doch knapp 30 Jahre später fällt die Entscheidung, den Solitär wieder neu aufzubauen. Sieben Jahre tüfteln die Experten von Mercedes-Benz Classic, und 2001 steht der Renntransporter dann wieder in ganzer Pracht auf seinen Rädern.
Technische Daten Einsatz: 1955 Zylinder: 6/Reihe Hubraum: 2.996 cm³ Leistung: 141 kW (192 PS) Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h