Reise in den Untergrund TEIL 4

SchrauberTippIn der letzten Woche galt unser Blick dem Gummi für vorne, heute geht der Blick an die Hinterhand. Und soviel sei verraten, da sieht es nicht viel besser aus! Thomas Bittl von unserer Partnerseite www.Sternzeit-107.de ist unter anderem Typreferent im www.v-d-h.de, Online-Typreferent, Tourenbeauftragter, Technikreferent und stellv. RT70 Leiter im www.107sl-club.de. Auch wenn seine Artikel  für den 107er geschrieben wurden, kann man die Tipps und Tricks sehr gut auf die Typen W114, W115, W116 und auch noch auf den W123 und W126 übertragen. Wir danken Thomas Bittl sehr für die Genehmigung seine Artikel an dieser Stelle zu präsentieren.

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Im vierten Teil geht es um die Gummi- und Kunststoffteile der Hinterachse. 

Während die Vorderachse für die Fahrtrichtung zuständig ist, sorgt die Hinterachse für die nötige Spurstabilität. Dafür zuständig sind der Hinterachskörper, die beiden Dreieckslenker aus Stahl oder Aluminium, die Radträger, die Federn, die Stoßdämpfer und die Torsionsstange. Der Hinterachskörper ist in drei Gummilagern gelagert. Vorne kurz hinter der B-Säule am Unterboden, die beiden vorderen großen Gummilager und hinten 6_CIMG0772_beim Differential das hinter Lager mit Gummieinlage.

Sind die Lager nicht mehr formstabil, lenkt der Wagen mit der Hinterachse nach. Dies führt zu unpräzisem Handling und ungewolltem Eigenlenkverhalten. Insgesamt zu unpräzisem Fahren, dass vom Popometer als sehr negativ empfunden wird. Zum Austausch der Lager braucht man eine Hebebühne oder eine andere Möglichkeit den Wagen hinten aufzubocken. Zur Demontage des hinteren Lagers sind nur die passenden Schraubenschlüssel notwendig. Der Grundkörper ist gegen absenken zu unterstützen. Die beiden vorderen Lager sind ebenfalls durch Unterstützung des Grundkörpers an der entsprechenden Seite auszutauschen. Eingestellt werden kann hier nichts. Jedoch kann durch Anstoßen am Bordstein, die Radaufnahme verbogen werden, was ebenfalls zu einer nicht korrekten Spur führen kann.

6_CIMG0765_Als nächstes Bauteil die beiden Federn. Diese haben oben gegen die Karosserie eine Gummiunterlage. Knarzt es hinten im Fahrzeug kann durchaus eine Unterlage durchgewetzt sein und gegen die Karosserie scheuern. Der Austausch ist etwas aufwendig, muß doch der Hinterachsgrundkörper und die Rücksitzbank abgebaut werden. Zuerst entnimmt man die beiden Sitzkisen der Rücksitzbank, bzw. entnimmt das Ablagebrett, falls keine Notsitzbank eingebaut ist. Dann sind links und rechts zwei ovale Abdeckungen zu erkenne. Diese werden abgezogen und man kann die oberen Befestigungschrauben der Stoßdämper lösen. Dabei ist darauf zu achten, das sich die Stoßdämpferstange nicht mitdreht, da sonst der Gas- und Öldruck die Kolbenstange aus dem Zylinder treiben können. Dabei ist größte Verletzungsgefahr gegeben!! Sind die Muttern entfernt, wendet man sich dem Unterboden zu. Es werden je Stoßdämpfer die beiden Befestigungsschrauben entfernt und die Stoßdämpfer nach unten abgezogen. Hierzu benötigt man mindestens 80 cm bis einen Meter Bodenfreiheit!! Jetzt löst man die beiden Bowdenzüge aus der Aufnahme der Feststellbremse im Kardantunnel. Die Federn besitzen im aufgebockten voll ausgefederten Zustand nur noch eine geringe Vorspannung, trotzdem ist bei den weiteren Arbeiten höchste Vorsicht geboten. Nach dem Öffnen der Bremsleitungen an den beiden Rädern und dem Öffnen der drei Befestigungspunkte aus dem vorherigen Absatz kann die Hinterachse abgelassen werden. Die entspannten Federn werden herausgenommen und die Gummiauflagen gewechselt. Danach baut man alles wieder zusammen, entlüftet das komplette Bremssystem und stellt die Feststellbremse korrekt ein. Allein wegen der Federn und Stoßdämpfer, sowie den Arbeiten an der Bremsanlage eine Arbeit für die Fachwerkstatt.

Sind die Stoßdämpfer gerade ausgebaut, kann man das untere Auge auf Risse prüfen und die oberen Lager begutachten, die Stoßdämpfer auf ihre Dämpfereigenschaft testen lassen und ggf. die Stoßdämpfer tauschen. Das Differential ist beim M110er Motor mit vier Schraubbolzen am Hinterachsgrundträger befestigt. Bei meiner Restauration passten die bei Mercedes-Benz neu nachbestellten Muttern nicht auf die Bolzen. Die Gewindesteigung stimmte nicht. So wurden die alten Muttern wiederverwendet. Weiteres zum Differential im fünften und letzten Teil der Reihe.

6_CIMG0715_Die beiden Dreieckslenker sind mit zwei Gummibuchsen am Hinterachsgrundkörper befestigt. Hier gilt das in den obigen Absätze gesagte entsprechend. Nach dem Ablassen des Hinterachsgrundkörpers mit den Dreieckslenkern, werden die Schrauben geöffnet und die Lager gewechselt, Danach wieder alles zusammengebaut. Sind die Lager verschlissen, leidet auch hier die Präzision der Spurführung, ggf. kommt es zum Poltern im Hinterachsbereich.

Nun noch zur Torsionsstange. Die Torsionsstange ist in zwei Gummilagern links und rechts am Rahmen gelagert. Durch einfaches Öffnen an den beiden Lagern links und rechts, lassen sich die Gummilager wechseln. Die Torsionsstange ist über je eine Verbindungsstange links und rechts mit dem Radträger verbunden. Die Verbindungssstange enthält zwei Kunststoffkörper, die auf Rissfreiheit zu prüfen sind und bei Bedarf wird die komplette Verbindungsstange gewechselt.

Ich hoffe, ich konnte euch auf einige weitere Prüfzonen an eurem Olddaimler aufmerksam machen. Viel Spaß beim Prüfen.

Grüßle Euer Thomas von www.sternzeit-107.de und www.fsb-verlag.de .