Prof. Dr. Ing. Mario Theissen und Jürgen Book sprechen über die FIVA und die Charta von Turin

Im Oldtimer-Weltverband FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) können auch Firmen, die sich dem Thema Oldtimer und klassische Fahrzeuge widmen Professional Member werden und ihre Expertise einbringen – Glasurit von BASF Coatings GmbH ist „GLOBAL PARTNER OF FIVA”.

Prof. Dr. Ing. Mario Theissen (FIVA Senior Vice President und ADAC Klassik Referent) hat mit Jürgen Book (Classic Cars Glasurit) über die Zusammenarbeit, die Themen der FIVA und insbesondere über das Thema Restaurierung von klassischen Fahrzeugen gesprochen. Lesen Sie hier im Original mehr: https://fiva.org/en/a-conversation-with-prof-mario-theissen-fiva-senior-vice-president-and-jurgen-book-head-of-classic-cars-at-basf/

Prof. Dr. Ing. Mario Theissen und Jürgen Book

Das Video mit dem kompletten Interview finden Sie auf YouTube: http://youtu.be/jzwjVkVPzQY/


Durch den Google Übersetzer haben wir das Interview für unsere Leser/innen auf Deutsch übertragen lassen. Wir bitten etwaige Sinn-/Wortverälschungen zu entschuldigen (bei einem groben Überlesen haben wir “Übersetzungsfehler” versucht zu korregieren und in kursiv dargestellt).

Ein Gespräch zwischen Prof. Mario Theissen, Senior Vice President der FIVA, und Jürgen Book, Leiter Oldtimer bei der BASF:

Was ist die FIVA?

Mario Theissen: Die FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) ist ein globaler Oldtimer-Verband mit rund 2 Millionen Mitgliedern aus 70 Ländern. Die Mitglieder sind Oldtimer-Enthusiasten, die in nationalen Verbänden organisiert sind.

Die FIVA fungiert als globaler Dachverband all dieser Clubs und Verbände mit dem Ziel, „das Welterbe des Automobils zu schützen, zu bewahren und zu fördern“. Die FIVA wurde 1966 gegründet, als der Besitz eines historischen Fahrzeugs noch eher ein Hobby für Einzelpersonen als eine Massenbewegung war.

Wenn es um historische Autos geht, wird viel Wert auf ihr Aussehen gelegt. Ist so die Zusammenarbeit mit Glasurit entstanden?

MT: Glasurit kümmert sich um die Außenhaut des Fahrzeugs – den ersten Teil des Autos, den Sie sehen, und daher ein sehr wichtiges Element.

Frage an Jürgen Book: Warum sind Sie zur FIVA gekommen?

JB: Die FIVA ist ein globaler Verband und wir sind ein weltweit tätiges Unternehmen. Wir hören im Allgemeinen die gleichen Fragen von Autobesitzern auf der ganzen Welt:

  • Wie finde ich die richtige Farbe?
  • Wo soll ich mein Auto lackieren lassen?
  • Wie ist ein Auto lackiert?

Um diese Fragen zu beantworten, haben wir 2007 Classic Car Colors gegründet. Es war und ist uns wichtig, herauszufinden, was Fahrzeugbesitzer beschäftigt, ihre Fragen zu beantworten und mit einer entsprechenden Produktpalette oder einem entsprechenden Reparaturprozess zu reagieren. Fahrzeugbesitzer kennen die Lackmarke selten und unsere Partnerschaft mit der FIVA trägt dazu bei, die weltweite Anerkennung von Glasurit zu fördern.

Wie sieht FIVA die Entwicklung des historischen Fahrzeugmarktes?

MT: Was früher ein Hobby für einzelne Enthusiasten war, hat jetzt einen starken wirtschaftlichen Faktor. Allein in der EU werden bequem zweistellige Milliardenumsätze erzielt – ohne den Wert der Fahrzeuge selbst. Aus diesem Grund haben sich Handelsunternehmen engagiert, die Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Die Oldtimerszene hat in den letzten 20 Jahren einen Boom erlebt und wir befinden uns jetzt in einer Konsolidierungsphase, jedoch auf einem sehr hohen und sehr stabilen Niveau. Die Enthusiasten reichen von leidenschaftlichen Mechanikern, von denen einige es tatsächlich genießen, wenn ihr Fahrzeug unerwartet kaputt geht, bis zu denen, die nur ihr Auto fahren wollen.

Ich habe kürzlich gelesen, dass der Durchschnittswert historischer Autos bei 25.000 Euro liegt, nicht bei Millionen oder Hunderttausenden…

MT: Dies ist ein guter Punkt und ein heißes Thema bei der FIVA, bei dem es nicht um Fahrzeuge im Wert von Millionen geht, sondern um die Erhaltung des „motorischen Erbes“. In den letzten hundert Jahren hat die Mobilität unser Leben mehr als jeder andere technologische Fortschritt verändert, dank Serienfahrzeugen und nicht der seltenen und sehr teuren Autos. Daher steht dies im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Welches sind die größten Märkte für klassische Fahrzeuge?

MT: Der mit Abstand größte Markt ist Nordamerika, in dem sowohl die USA als auch Kanada zusammengefasst sind. Dies spiegelt sich in den FIVA-Mitgliederzahlen wieder. Allein in Nordamerika sind 450.000 Mitglieder registriert. Es wird angenommen, dass es dort rund 10 Millionen Oldtimer gibt, obwohl die Definition von Oldtimern lockerer ist als hier in Europa.

In Europa folgt das Vereinigte Königreich auf dem zweiten Platz, Deutschland auf dem dritten Platz, gefolgt von Italien und Frankreich. Dies sind die größten Märkte. Auch Skandinavien und Benelux haben aufgrund ihrer langen Tradition, Klassiker zu besitzen, einen überraschend großen Anteil: Auch hier handelt es sich eher um bekannte Modelle als um teure exotische Autos.

Wann wird ein Auto laut FIVA zum „Klassiker“?

MT: Classic ist ein Überbegriff, aber bei der FIVA definieren wir historische Autos als mindestens 30 Jahre alt. Youngtimer oder moderne Klassiker sind in der Regel zwischen 20 und 30 Jahre alt, aber ich glaube, ein wichtigerer Faktor ist, dass das Fahrzeug von Enthusiasten geliebt wird, nicht nur von einem alten, kaum für den Straßenverkehr zugelassenen Auto.

Dies führt uns zur Lackierung und zum Jürgen-Buch. Wie weit reicht Ihr Farbarchiv zurück? Passt es zur Definition der FIVA?

JB: Der Begriff „Youngtimer“ wird hauptsächlich in Deutschland verwendet und bezieht sich auf relativ moderne Oldtimer aus den 90er Jahren, für die wir das gesamte Farbportfolio anbieten. Und wir sind auch gut mit Fahrzeugfarben von den 50ern bis zu den 80ern ausgestattet. Bei sehr alten Fahrzeugen weist das Archiv mehr Lücken auf, aber wir haben unsere Quellen, wenn wir nach ihnen suchen müssen.

Bei der Restaurierung stellt sich zunehmend die Frage: „Wie genau sah die Farbe im Neuzustand aus?“

Wir arbeiten mit vielen Herstellern und Clubs zusammen, um nach den tatsächlichen, originalen und authentischen Farben zu suchen, die auf die Fahrzeuge angewendet wurden, als sie vom Band liefen. Unsere Datenbank enthält auch viele Farblösungen, speziell für ältere Fahrzeuge.

Wenn Sie jedoch drei Fahrzeuge nebeneinander stellen, jedes mit seinem Originallack, sehen Sie dann auch Nuancen in den Farben – ohne Berücksichtigung der Auswirkungen des Alterns. Ein herausfordernder Aspekt heute – 50 bis 70 Jahre später – ist die Angabe, welche Farbe der authentischen (Original-) Farbe der gesamten „Flotte“ am ehesten entspricht. Dies beinhaltet intensive historische Untersuchungen. Man könnte also sagen, dass wir zur Erhaltung der Geschichte beitragen.

Insgesamt sind moderne Klassiker zahlreicher als sehr alte Fahrzeuge. Die wirklich alten Fahrzeuge sind historisch wertvoll, wurden aber oft restauriert und bearbeitet und sind oft Sammlerstücke, die nur selten gefahren werden.

Bei Autos wie dem Opel Manta sprechen wir oft über den emotionalen Wert. Fahrzeuge, die früher skeptisch aussahen, betreten zunehmend diesen Markt.

MT: Diese Fahrzeuge sind keine modernen Klassiker mehr, sondern heute historische Fahrzeuge. Wir sprechen hier bereits über die nächste Generation – und das ist nicht nur aus kommerzieller Sicht wichtig. Die FIVA ist sehr daran interessiert, ein jüngeres Publikum für die Szene zu gewinnen, was bedeutet, dass junge Menschen eine Leidenschaft für Oldtimer entwickeln. Dies kann nur passieren, wenn wir die Fahrzeuge akzeptieren, die sie interessant finden.

Was bedeutet die Charta von Turin für den Restaurierungshandel?

MT: Die Charta von Turin ist eine Richtlinie, die der Athener Charta in Bezug auf Architektur ähnelt, jedoch historische Fahrzeuge repariert und restauriert. Die Konservierung wird dem Ersatz vorgezogen, und ein wesentlicher Teil der Arbeit der FIVA – und ein Hauptzweck der Charta – besteht darin, dass authentische Fahrzeuge im Originalzustand einen höheren Stellenwert haben als die „besser als neu“ -Restaurationen.

Was bedeutet das für die Lackierung und Oberflächenbeschaffenheit?

JB: Wir müssen genau herausfinden, was die Eigentümer wollen und wie sie wollen, dass ihr Fahrzeug nachgearbeitet wird. Spezialisten müssen es den Eigentümern ermöglichen, Entscheidungen nach ihrem persönlichen Geschmack und Budget zu treffen. Ich persönlich unterstütze die Idee hinter der Charta von Turin, da sie sicherstellt, dass so viel wie möglich vom Original erhalten bleibt. Moderne Beschichtungstechnologie macht dies manchmal einfacher als früher; Zum Beispiel die teilweise Reparatur von einschichtigen Metallic-Oberflächen. Unter bestimmten Umständen empfehlen wir, dass ein Fahrzeug nicht lackiert, sondern konserviert wird. Es ist möglich, verschiedene Effekte, Glanz-, Fließ- und Alterungseffekte in einem bestimmten Bereich zu erzielen, und es ist auch technisch möglich, die „Oberflächenhaptik“ einer alten Beschichtung zu erzeugen. Dies ist besonders wichtig für die Reparatur von Arbeiten, da nichts ärgerlicher ist, als sofort einen reparierten Bereich zu erkennen.

Der Mangel an Fachhandwerkern und ihr hohes Durchschnittsalter sind zwei Herausforderungen für den Bereich der historischen Fahrzeugrestaurierung. Wie sind Karosseriewerkstätten betroffen?

JB: Zunehmend gehen Fachwissen und Fähigkeiten verloren. Die heutigen Mechaniker verwenden die Onboard-Diagnose, um Fehler zu diagnostizieren, und älteren Autos fehlt diese Technologie. Die Bearbeitung erfordert daher Erfahrung, ein abgestimmtes Ohr und die richtigen Werkzeuge. Zum Beispiel beim Einstellen des Vergasers oder den Ventilen.

Wenn es um die Lackierung geht, gehört dazu auch die Identifizierung der genauen Farbe – stellen Sie sich nicht vor, dass Spektrophotometer die ganze Arbeit erledigen. Es ist gut, Fachwissen über alte Fahrzeuge und Gegenstände zu besitzen – Wissen, das einst Teil des Industriestandards war. Die „guten alten Jungs“ sind für ihre Spezialarbeit an älteren Fahrzeugen immer gefragter, aber der Tag wird kommen, an dem diese Gruppe in den Ruhestand geht, und zwar nicht nur in der Reparaturindustrie.

Die FIVA und die Handwerksindustrie haben also viel gemeinsam?

MT: Das stimmt. Ein Aspekt ist, junge Menschen für Autos zu begeistern. Ein weiterer positiver Aspekt sind die Beschäftigungsaussichten in diesem Sektor. Verbände, die sich der FIVA angeschlossen haben, bieten Programme zur Förderung der Lehrlingsausbildung im traditionellen Handwerk an, ein erster Schritt zum Aufbau einer soliden Karriere.

Ist die FIVA an der Zertifizierung von Werkstätten beteiligt?

MT: Es gibt Zertifikate, die von Fachverbänden ausgestellt wurden, und wir bei der FIVA würden niemals selbst Zertifikate ausstellen, da wir dies als Aufgabe der Verbände und Handelsgilden ansehen. In Deutschland bietet das ZDK ein Ausbildungsprogramm für auf historische Fahrzeuge spezialisierte Fahrzeugwerkstätten an.

In Deutschland gibt es mittlerweile 700 solcher Werkstätten, von denen viele Lehrlingsausbildungsprogramme anbieten. Gibt es Schulungsinitiativen der Beschichtungsindustrie?

JB: Wir bieten verschiedene Schulungen an, sowohl digital als auch persönlich. Unser Ziel ist es, so viele Werkstätten und Lackierer wie möglich zu erreichen. Und wir haben vor, mehr zu tun.

Gibt es Umweltvorbehalte gegenüber klassischen Fahrzeugen?

MT: Die Anzahl der klassischen Fahrzeuge war und ist sehr gering, wobei diese Fahrzeuge zu rund 1% der fahrbereiten Fahrzeuge beitragen. Die jährliche zurückgelegte Kilometerleistung ist ebenfalls sehr gering, und die Eigentümer meiden das Fahren in städtischen Gebieten oder auf Autobahnen. Die Behörden haben dies erkannt und entsprechende Vorschriften erlassen. Und wenn es um Nachhaltigkeit geht, gibt es nichts Nachhaltigeres, als bereits existierende Dinge zu bewahren, zu erhalten und weiter zu nutzen, was genau die Grundlage der Charta von Turin ist.

Es gibt nicht viele Lackierbetriebe und Werkstätten, die sich auf diesen Sektor spezialisiert haben. Was unternimmt die FIVA, um die Firmen fachlich zu unterstützen?

MT: Wir sprechen regelmäßig über Fachwerkstätten für historische Fahrzeuge, aber dies sind immer nationale Projekte, da die Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind. In Deutschland ist das ZDK sehr engagiert, während in Großbritannien ein Projekt des nationalen Verbandes für Oldtimer durchgeführt wird, das speziell darauf abzielt, junge Menschen in traditionellen Berufen auszubilden. In anderen Ländern gibt es ähnliche Programme, die wir von der FIVA durch unsere Kulturkommission beobachten und unterstützen.

Was bedeutet “Meisterklasse” für die FIVA?

MT: Erst in den letzten Jahren gab es eine Zusammenarbeit zwischen der FIVA und der Welt von Wirtschaft und Industrie. Eines unserer Ziele ist es, dass die Industrie unsere Arbeit bei der FIVA unterstützt, indem sie unseren Mitgliedern zugänglich ist und technische Beratung in relevanten Fachgebieten bietet. Zu diesem Zweck haben wir auf der FIVA-Website einen Bereich „Meisterklasse“ eingerichtet, in dem unsere globalen Partner kompetente Beratung zu ihren Produkten und Dienstleistungen anbieten. Zu den Partnern zählen neben Glasurit für Lacke, Pirelli für Fragen zu Reifen und Motul für Schmierstoffe. Diese Partner sind stark in der historischen Fahrzeugbranche tätig und verfügen über umfangreiche Kenntnisse, die sie über die Masterclass-Sektion bereitstellen.

Danke für dieses Interview. Video auf YouTube: http://youtu.be/jzwjVkVPzQY/