MBMC – Betrachtung des 500K – Models von Matrix

Anmerkung der Redaktion:

Sie erinnern sich vielleicht noch an den Artikel: >GmM: Das große Rätseln um X-252< vom 20. März 2015. Nun gibt es demnächst dieses besondere Fahrzeug von der Firma Matrix in 1/43… allerdings gibt es da so ein paar kleinere Fehlerchen am Model… wir wollten Ihnen die Betrachtungen von Bernd D. Loosen vom Mercedes-Benz Modelauto Club nicht vorenthalten und geben diese hier gerne weiter:

Von mehreren Lesern wurde ich gebeten, meine Anmerkungen zu den Mängeln des produktionsreifen Prototypen des bald erscheinenden Matrix-Modells des Mercedes-Benz 500K „Spezial-Stromlinienwagens“, der auch oft der Einfachheit halber von Sammlern nur als „X-252“ bezeichnet wird, zu
erweitern. Gerne gebe ich hiermit meine Beobachtungen an alle OldtimerTicker-Leser weiter.

Trotz zahlreicher, leicht verfügbarer Fotodokumente sind entweder die Leute bei Matrix in den Niederlanden, die für die Entwicklung des Modells des Mercedes-Benz 500K “Spezial Stromlinienwagen” zuständig waren, oder aber
höchstwahrscheinlich die in der Produktionsstätte in China verantwortlichen “Ingenieure”, denen es anscheinend an der notwendigen Beobachtungsgabe fehlt, nicht in der Lage, Bilder mit Sorgfalt zu studieren, oder es fehlt ihnen im Bezug auf die Mercedes-Wagen der W29 Baureihe, zumindest was die Karosserie betrifft, ein Mindestmass an technischer Kenntnis, um ein fehlerfreies Modell herzustellen. Typischerweise erstrecken sich die Krümmer / Flexrohre bei diesen Wagen außerhalb des Wagens an der rechten Seite der Motorhaube, um zwischen der Motorhaubenseite und dem Kotflügel unter dem Fahrgestell in Richtung der hinteren Stoßfänger zu verschwinden (Bild 1).

Bei diesem 500K “Spezial Stromlinienwagen” befanden sich diese Krümmer / Abgas Flex-Rohre hinter einer Blechverkleidung, die sich zwischen Motorhaube und Kotflügel nach unten bis hin zum Chassis erstreckte. Zwecks
Kühlung wurde die Vorderseite dieser Abdeckung zwar offen gehalten, aber durch ein kleines Gitter mit zwei senkrechten, verchromten Drahtstäben abgeschlossen, ein Abschluss, der an das Design des Kühlergrills des Wagens erinnert (Bild 2).

Diese Verkleidung hatte an ihrer Aussenseite Lüftungsschlitze, und das Ganze verjüngte sich nach hinten (Bild 3). 

Diese Verkleidung, ein wichtiges Detail, wurde zuerst von Matrix auf dessen Prototyp komplett übersehen oder
vergessen. Nachdem Matrix auf das Fehlen dieser für diesen 500K wichtigen, wenn auch zugegebenermaßen recht einzigartigen, Besonderheit aufmerksam gemacht wurde, klebte man an der rechten Haubenseite ein Teil an, das die Verkleidung darstellen sollte, um das Problem zu beheben. Wie auf dem Bild zu sehen ist, sieht dieses Stück, das deutlich als nachträglicher Einfall hinzugefügt wurde, nicht im Entferntesten so aus, wie es sollte (Bild 4);

und zeigt eine Unkenntnis der W29 Baureihe, bzw. einen mangelnden technischen Verstand bezüglich des Verlaufs der Krümmer bzw. des Zwecks der Verkleidung. Eine weiteres wichtiges Versäumnis: Die beiden
Lüftungsklappen, die mittig unterhalb der Winschutzscheibe angeordnet sind, wurden vollständig vergessen, obwohl sie auf einigen zeitgenössischen Fotos deutlich sichtbar sind. (Bild 4a, 4b und 4c),

und obwohl sie auf sämtlichen egal in welchem Baujahr hergestellten Wagen der W29 Baureihe vorhanden sind! Das ist sehr bedauerlich, denn ansonsten ist das 1:43 Modell ein durchaus Anständiges, und weist die richtigen Formen und Proportionen auf. Es ist ohne Zweifel das beste (nach Idea3, und Autopionner) 1:43 Modell des einzigartigen 500K „Spezial-Stromlinienwagen“, das bislang hergestellt wurde, allerdings mit ein paar weiteren
Abstrichen, wie z.B. dem vergessenen Füller-Deckel bzw. Klappe auf der linken Seite des Modells (auch hier scheint es, als ob der auf der rechten Seite befindliche – der Wagen hatte zwei Benzintanks – erst nachträglich hinzugefügt wurde, da dessen Umrisse nicht Teil der Gravur sind, sondern eine Art von Decal, und das noch mit
einer nicht ganz akkuraten Randabbildung! (Bilder 5, 5a und 5b).

Weitere kleine Fehler werden dem fachkundigen Sammler auffallen, wie die Verwendung eines schwarzen
Lenkrades anstelle eines elfenbein-farbigen Steuers (Bild 6),

in dem ansonsten sehr detailliert dargestelltem Innenraum. Das hintere Nummernschild ist nicht ganz akkurat: es
sollte “X-252 (IN)”, und nicht einfach “X-252” daraufstehen. Warum die Auslassung? Nur um einen kleinen Cent zu sparen, indem man das vordere und das am Heck einfach identisch herstellen lässt? Akkurate Details sind wichtig – schliesslich handelt es sich hier um ein Sammlermodell, nicht um ein Spielzeug. Weitere kleine Details wurden vergessen, wie z.B die verchromten Schraubverschlüsse, die die Abdeckungen der Ersatzräder befestigen
(Bild 7).

Zudem bin ich mir nicht sicher, ob man in China darauf aufmerksam gemacht wurde, oder ob man verstand, dass dieses Auto zwei Pendelwinker auf jeder Seite hat , einen hinter dem Fenster des Autos, ungefähr wo die C-Säule
wäre, der zweite in der Mitte der Ersatzradabdeckung. Hier habe ich den leisen Verdacht, dass die Chinesischen Spezialisten glaubten, es wäre eine Art Spanner, der die Radabdeckung festhält, weil nämlich am Prototypen auf der Innenseite der Ersatzradabdeckung zumindest auf einem der verfügbaren Bilder des Modells die gleiche
Pendelwinkergravur (Bilder 8 und 8a)

zu sehen ist, als auf der Außenseite der Abdeckung. Zuguterletzt ist die Anordnung, bzw. die Reihenfolge der Rück- bzw. der Bremslichter falsch (Bilder 9 und 9c)!

 

 

 

 

 

 

 

Wenn schon der Mercedes Stern nicht vorhanden ist, dann sollte doch zumindest die richtige Reihenfolge und Farbe der Rücklichter respektiert werden. Per Farbtupfer wurde am Modell die mitlerweile auch schon nicht mehr ganz „moderne“ Anordnung (von aussen nach innen) „orange – rot – weiss “ übernommen (Bild 9), richtig wäre im vorliegenden Fall die bei Mercedes in den dreissiger Jahren übliche Reihenfolge „rot – schwarz mit Stern – orange“ gewesen, egal ob senkrecht wie hier am Vorbild, oder waagerecht angeordnet (Bilder 9a und 9b).

Offensichtlich hat es durchwegs bei der Herstellung des Urmodells von Matrix an automobil-technisch gebildeter Aufsicht gefehlt. Wie auch immer, es ist zu diesem Zeitpunkt viel zu spät für Verbesserungen, selbst wenn eine solche Entscheidung, unter Berücksichtigung der anfallenden zusätzlichen Herstellungskosten, von der Matrix-Firmenleitung getroffen würde. Und deshalb ist es wieder einmal so bedauerlich, dass keinerlei Spezialisten auf diesem Gebiet, wenn schon nicht während der Entwicklung des Modells, zumindest als Korrekturen noch
möglich gewesen wären, konsultiert wurden! Schließlich gibt es bei den verschiedenen Mercedes-Benz Clubs genügend Mitglieder mit fundierten Kenntnissen, die bereit wären, zu helfen!

Wir gehen bereits dem Ende März zu , und da die Modelle irgendwann im April in den Geschäften sein sollen, dümpeln sie sicherlich schon auf hoher See irgendwo zwischen China und Rotterdam ….

Anmerkung: Matrix wurde zwischenzeitlich auf die Fehler aufmerksam gemacht, und, wie ich hörte, will im Rahmen des Möglichen und des noch Machbaren Korrekturen vornehmen. Dadurch mag sich die Auslieferung des X-252 Modells verzögern. Aber lieber später und gut als früh und nicht so gut, nicht wahr?