Beim Oldtimerkauf ist Sachverstand Bares wert

KaufvertragDer Kauf eines Oldtimers unterscheidet sich vom normalen Autokauf in seiner emotionalen Komponente. Rational gesehen braucht man ein altes Auto überhaut nicht. Doch getreu dem Motto “Nichts ist wichtiger als das Nutzlose”, erfeuen sich unsere Altautos ständig steigender Beliebtheit. Jetzt stellte die GTÜ ihre Regeln für den Oldtimerkauf vor. Leider sind diese nicht so undifferenziert gültig, wie sie sie vortragen.
Allerdings ist es richtig, dass die meisten Fehler schon beim Kauf eines Oldtimers passieren. Meist deshalb, weil hier nicht einfach rational Vor- und Nachteile abgewogen werden, sondern oft auch starke Gefühle mitspielen. Das wichtigste für den Erfolgreichen Kauf ist gesunder Menschenverstand und am besten auch mehr als nur profundes Halbwissen. Voraussetzung dazu ist, dass man sich mit dem Objekt seiner Begierde gründlich auseinander gesetzt hat. Die entsprechenden Mercedes-Benz Clubs haben fast ausnahmslos für jeden Modell-Typ ihren eigenen Typ-Referenten, die den Mitgliedern zur Verfügung stehen. Auch die Stammtische helfen bei der Wissenserweiterung.
Auch die GTÜ-Oldtimerspezialisten stehen  gerne zur Seite, wenn es darum geht ein Kaufobjekt unter die Lupe zu nehmen. Am besten nimmt man einen der vorgenannten Spezialisten mit. Sollte das aber nicht möglich sein, hat die GTÜ diesen 10 Punkte-Katalog vorgelegt, den wir ein wenig erweiterd haben.
Punkt 1: Die Fahrzeugunterlagen. Bevor die das Fahrzeug besichtigen, lassen Sie sich vom Eigentümer die Geschichte des Fahrzeuges anhand von Dokumenten aufzeigen. Sind noach diverse Rechnungen und Unterlagen (Serviceheft usw.) vorhanden? Diese Unterlagen geben auch Aufschluss darüber, wie jemand mit seinem Fahrzeug umgeht. Allerdings ist es nicht so, dass fehlende Unterlagen über den Kauf entscheiden sollten. Nicht jeder sammelt akribisch Belege für den eventuellen Verkauf.
Punkt 2: Spaltmaße am Fahrzeug kontrollieren. Sie können anhand der Spaltmaße am Fahrzeug überprüfen ob das Fahrzeug in der Vergangenheit in einen Unfall verwickelt war. Prüfen Sie die Spaltmaße am gesamten Fahrzeug. Sind die Spaltmaße stark unterschiedlich sein, bitten Sie um Aufklärung. Aber bei einem Auto, dass 30 oder viel mehr Jahre auf dem Buckel hat, kann man diese Aufklärung nicht immer vom letzten Eigentümer erwarten. Und auch bei den damaligen Fahrzeugen waren die Spaltmaße nicht perfekt. Bei vielen Fahrzeugen wurde schon zu Produktionszeiten nicht darauf geachtet. Absolut perfekte Spaltmaße werden meist erst mit einer “Über-” Restaurierung erreicht.
Punkt 3: Dichtungen und Gummis. Da Dichtgummis eine regelmäßige Pflege benötigen, sollten Sie darauf achten, das diese nicht porös oder geschrumpft sind. Beachten Sie, dass der Austausch von schadhaften Dichtungen eine schwierige und kostspielige Angelegenheit sein kann! Schauen Sie auch unter die Gummis. Oft verbirgt sich hier Rost oder Spuren einer Neulackierung. Gummi ist auch bei Achslagern und Fahrwerksdämpfung ein Thema. Alle Gummis altern auch bei noch so guter Pflege und man sollte wissen, wo sich echte Probleme beim Ersatz auftuen und was mit Leichtigkeit gemacht werden kann.
Punkt 4: Lackprüfung. Überprüfen Sie den Lack auf eventuelle Lackschatten und Rostansätze. Betrachten Sie die Karosserie gegen das Licht, ob sich leichte Wellen spiegeln. Wellige Lackoberflächen sind ein Zeichen für unfachmännische Reparaturen. Rostblasen unter dem Lack entpuppen sich in aller Regel als Durchrostung von innen. Besonders Motor- und Kofferräume sowie unzugängliche Türfalzen zeigen, ob und wie fachmännisch schon mal lackiert wurde.
Punkt 5: Motorraum. Überprüfen Sie die Bereiche an den Längsträgern und am Radhaus auf Rost und auf eventuelle Instandsetzungen. Überprüfen Sie Motor und Getriebe auf Ölverlust. Sollten Sie auf einen völlig trockenen und sauberen Motor stoßen, könnte dies auch auf eine unmittelbar zuvor stattgefundene Motorwäsche hindeuten. Schauen Sie dann noch mal nach der Probefahrt in den Motorraum. Auch die elektrische Verkabelung gibt ein wenig Aufschluss über den Zustand.
Punkt 6: Kofferraum. Bei der Überprüfung des Kofferraums entfernen Sie den Bodenbelag und die Verkleidungen wenn dies möglich ist. Achten Sie auf Rost, eventuelle Unfallspuren und auf Feuchtigkeit im Innenraum.
Punkt 7: Fahrgastraum. Überprüfen Sie den Innenraum auf Originalität. Sie sollten besonders auf das Armaturenbrett achten. Überprüfen Sie alle Instrumente auf ihre Funktion. Schauen Sie auf Polster und Himmel. Werfen Sie auch einen Blick auf den Sicherungskasten und die sonstige Verkabelung.
Punkt 8: Fahrzeug starten. Starten Sie den Motor und achten Sie auf ruhigen Lauf und eventuell vorhandene Geräusche. Sie sollten auch auf die Farbe der Abgase achten. Extrem dunkle oder helle Wolken deuten auf Schäden am Motor hin. Dabei ist aber zu beachten, wie lange das Fahrzeug gestanden hat. Kondenswasser und alter Kraftstoff können dieses Ergebnis deutlich verfälschen.
Punkt 9: Probefahrt.Überprüfen Sie das Lenkungsspiel und ob sich das Fahrzeug schwammig fährt. Achten Sie auf Geräusche von Getriebe und Fahrwerk. Testen Sie die Bremsen (auch die Handbremse!). Dabei muss man aber bedenken, dass sich ein Oldtimer häufig ganz anders verhält, als das Alltagsfahrzeug. Alle festgestellen “Unzulänglichkeiten” können dennoch der maligen Technik entsprechen.
Der wichtigste Punkt kommt allerdings zuletzt!
Punkt 10: Fachmann / Fachliteratur. Informieren Sie sich vorab in Fachzeitschriften und Fachliteratur  und besonders bei den einschlägigen Clubs über die Eigenheiten des Wunschfahrzeuges.