500K Nürburg von König Rama VIII von Siam und eine Art Krimi…

Der Wagen

Als einer von nur 931 gebauten Mercedes-Benz Nürburg 500 (W08) wurde der Wagen mit der Fahrgestellnummer 113559 am 17. Juli 1935 an seinen ersten Besitzer, seine königliche Hoheit Rama VIII, König von Siam (Thailand, ab 1939), verkauft. Der König war damals neun Jahre alt, und lebte in der Schweiz und ging in Lausanne zur Schule.

Der Wagen wurde am 24. Oktober im Werk Mannheim ausgeliefert und am 30. Oktober 1935 vom Schweizer Importeur Hirzel & Stüber in Rechnung gestellt.

Nach Angaben des Auktionshauses Bonhams, das den Wagen am 21. Mai 2007 in Monte-Carlo versteigerte, wurde das königliche Landaulet am 12. Januar 1950 an einen Georges Bauer in Genf (Schweiz) verkauft. Offensichtlich war der Wagen die ganze Zeit über in der Schweiz geblieben.

Irgendwann wechselte es erneut den Besitzer und wurde dann Anfang der 1960er Jahre von einem Jacques Dumontant in Frankreich erworben. Soweit ich herausfinden konnte, könnte dieser Monsieur Dumontant ein Oldtimer-Sammler aus Eymoutiers (im Département “Haute-Vienne”) gewesen sein.

Im Jahr 1980 wurde der Wagen dann an den Besitzer verkauft, der ihn am 21. Mai 2007 bei Bonhams zur Versteigerung anbot. Bonhams schätzte den Wert des komplett restaurierten Wagens damals auf 300.000 € bis 400.000 € (oder 350.000 USD und 470.000 USD).

Das Modell

Nach langem Schweigen hat ER-models soeben das 1:43 Modell des Mercedes-Benz 500 Landaulet des Königs von Siam in einer Kleinserie von 60 Stück herausgebracht. Es zeigt den Wagen genau so, wie er 2007 bei Bonhams versteigert wurde.

Wie bei ER-Modellen üblich, wurde das Modell von EMC/Pivtorak hervorragend umgesetzt, und verarbeitet. Perfektion und kleine Stückzahlen haben bekanntlich ihren Preis, und in diesem Fall kostet das Modell, das unter info@er-models.com bestellt werden kann, USD 470,00 (+ S&H).

Die Produktion von weiteren 30 Stück ist geplant, mit dem Landaulet-Dach des Wagens geschlossen. Da es nur ein einziges solches Auto im Besitz des Königs Rama VIII. gab, kommt dann dieses zweite Modell natürlich in der gleichen Farbe heraus.

Ein kurzes Leben, eine tragische Geschichte, ein immer noch ungeklärter Mord.

König Ananda Mahidol, Rama VIII.

  • Ananda Mahidol (20. September 1925 – 9. Juni 1946), posthumer Herrschertitel Phra Athamaramathibodin, war als Rama VIII. der achte Monarch von Siam aus der Chakri-Dynastie.
  • Als er im März 1935 von der Nationalversammlung als König anerkannt wurde, war er ein neunjähriger Junge und lebte in Lausanne, Schweiz.
  • Im Dezember 1945 kehrte er nach Thailand zurück, aber sechs Monate später, im Juni 1946, wurde er erschossen in seinem Bett aufgefunden.
  • Obwohl man zunächst dachte, dass es sich um einen Unfall handelte, wurde sein Tod von den Gerichtsmedizinern als Mord eingestuft, und drei königliche Pagen wurden später nach sehr unregelmäßigen Prozessen hingerichtet.
  • Die mysteriösen Umstände seines Todes sind bis heute Gegenstand vieler Kontroversen.

Ein kurzes Leben:

Prinz Ananda Mahidol wurde in Heidelberg geboren. Als erster thailändischer König, der außerhalb des Landes geboren wurde, war er der älteste Sohn von Prinz Mahidol Adulyadej von Songkla (Sohn von König Rama V.) und Mom Sangwan, die beide zu dieser Zeit in Heidelberg studierten.

Er ging mit seinen Eltern nach Paris, Lausanne, und dann nach Massachusetts in den Vereinigten Staaten. 1927 erließ sein Onkel, König Prajadhipok, ein königliches Edikt, das ihn in den höheren Fürstenstand von Phra Worawong Ther Phra Ong Chao erhob und ihn zu einem potentiellen Thronfolger machte.

Die Familie kehrte 1928 nach Thailand zurück, nachdem sein Vater Prinz Mahidol sein Medizinstudium an der Harvard University beendet hatte. Prinz Mahidol starb jedoch ein Jahr später, 1929, im Alter von 37 Jahren, als Ananda Mahidol gerade vier Jahre alt war. Seine verwitwete Mutter blieb somit allein mit ihrer Familie zurück. Eine Revolution im Jahr 1932 beendete die absolute Monarchie und ließ die Möglichkeit aufkommen, dass König Prajadhipok abdanken könnte. Königin Savang Vadhana, seine Großmutter, war besorgt um die Sicherheit von Prinz Ananda Mahidol, da er einer der wahrscheinlichen Erben war. Es wurde daraufhin vorgeschlagen, dass Mom Sangwal und ihre Kinder nach Lausanne zurückkehren sollten, und als sie dies 1933 taten, wurde als offizieller Grund die Gesundheit und die weitere Ausbildung der Prinzen angegeben.

Prinz Ananda Mahidol verbrachte den größten Teil seiner Jugend in der Schweiz.

Am 2. März 1935 wurde Prinz Ananda Mahidol von der Nationalversammlung und von der thailändischen Regierung zum Nachfolger seines Onkels, König Prajadhipok, als achter König der Chakri-Dynastie gewählt.
Es war für die Regierung recht praktisch, einen Monarchen zu haben, der erst neun Jahre alt war, und fern ab in der Schweiz zur Schule ging.

Im Jahr 1938, im Alter von dreizehn Jahren, besuchte Ananda Mahidol zum ersten Mal Siam als Monarch. Er wurde bei seinem Besuch von seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder, Prinz Bhumibol Adulyadej, begleitet.
Ausländische Beobachter glaubten jedoch, dass Ananda Mahidol nicht wirklich König sein wollte, und nahmen an, dass seine Regentschaft nicht lange andauern würde.

Louis Mountbatten, Earl Mountbatten of Burma, der britische Befehlshaber in Südostasien, besuchte Bangkok im Januar 1946 und beschrieb den König als “einen verängstigten, kurzsichtigen Jungen, dessen schräge Schultern und dünne Brust mit prächtigen diamantenbesetzten Verzierungen behangen waren, insgesamt eine pathetische und einsame Gestalt”.

Über eine öffentliche Veranstaltung schrieb Mountbatten: “Seine (des Königs) Nervosität steigerte sich in einem so alarmierenden Ausmaß, dass ich kurz davor war, ihn zu stützen, falls er ohnmächtig werden sollte…

Der Tod eines Königs:

Am Morgen des 9. Juni 1946:

  • Um 06:00 Uhr wurde Ananda von seiner Mutter geweckt.
  • Um 07:30 Uhr kam sein Page, But Patthamasarin, zum Dienst und begann, den Frühstückstisch auf einem Balkon neben dem Ankleidezimmer des Königs vorzubereiten. (Der König hatte zwei Pagen, But Patthamasarin und Chit Singhaseni.)
  • Um 08:30 Uhr sah But Patthamasarin den König in seiner Garderobe stehen. Er brachte dem König ein paar Minuten später sein übliches Glas Orangensaft. Zu diesem Zeitpunkt war der König jedoch bereits wieder zu Bett gegangen, und lehnte den Saft ab.
  • 09:00 Uhr, Prinz Bhumibol Adulyadej besucht König Ananda. Er sagte anschließend, dass er den König dösend in seinem Bett vorgefunden habe.
  • 09:20 Uhr, Ein einzelner Schuss erklingt aus dem Schlafzimmer des Königs. Chit Singhaseni rannte hinein, und rannte dann den Korridor entlang zur Wohnung der Mutter des Königs und rief: “Der König hat sich erschossen!”

Gerechtigkeit?

Im Oktober 1946 berichtete eine Untersuchungskommission, dass der Tod des Königs kein Unfall gewesen sein konnte, dass aber weder Selbstmord noch Mord zufriedenstellend bewiesen war.

Im November 1947 wurden König Anandas Sekretär, Senator Chaleo Patoomros, und die Pagen, But und Chit, verhaftet und wegen Verschwörung zum Mord am König angeklagt.

Der Prozess begann im August 1948 und endete schließlich im Mai 1951. Das Gericht entschied, dass König Ananda ermordet worden war, aber dass Senator Chaleo keine Schuld nachgewiesen werden konnte, und dass keiner der Pagen den tödlichen Schuss abgegeben haben konnte.

Die Anklage gegen Chaleo und But wurde abgewiesen und sie wurden freigelassen. Allerdings befand das Gericht Chit für schuldig, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Chit legte Berufung gegen seine Verurteilung ein, und die Staatsanwaltschaft legte Berufung gegen den Freispruch von Chaleo und But ein. Nach fünfzehnmonatigen Beratungen wies das Berufungsgericht die Berufung von Chit ab und befand But ebenfalls für schuldig.

Chit und But legten Berufung beim Obersten Gerichtshof ein, der zehn weitere Monate beriet, bevor er schließlich beide Urteile bestätigte, und diesmal ebenfalls Chaleo verurteilte.

Die Gnadengesuche der drei Männer wurden von König Rama IX. (Bhumibol Adulyadej) am 17. Februar 1955 abgelehnt, und alle drei wurden am nächsten Tag durch ein Erschießungskommando hingerichtet.

Dennoch sagte König Bhumibol Adulyadej später, dass er nicht glaube, dass sie schuldig gewesen seien.

Was geschah wirklich?

Eine Darstellung des Todes findet sich in William Stevensons “The Revolutionary King“, das unter Mitwirkung von König Bhumibol Adulyadej geschrieben wurde:

Stevensons Darstellung ist, dass Ananda Mahidol sich nicht selbst getötet haben konnte, weder durch Selbstmord noch durch einen Unfall. Er wurde auf dem Rücken liegend in seinem Bett gefunden, ohne seine Brille zu tragen, ohne die er fast blind war. Er hatte eine kleine Einschusswunde in der Stirn und eine etwas größere Austrittswunde am Hinterkopf. Seine Pistole, eine M1911, die ihm ein ehemaliger Offizier der US-Armee geschenkt hatte, lag nicht in unmittelbarer Nähe. Die M1911 ist nicht besonders anfällig für versehentliche Entladungen; sie wird nur abgefeuert, wenn ein beträchtlicher Druck auf die Sicherungsplatte an der Rückseite des Schafts ausgeübt wird, während gleichzeitig der Abzug betätigt wird. Sie ist eine schwere Pistole und für eine ungeübte Person schwer zu bedienen. Es wäre für Ananda Mahidol, einen gebrechlichen 20-Jährigen, fast unmöglich gewesen, sich auf den Rücken zu legen und sich mit einer solchen Waffe in die Stirn zu schießen. Hätte er das getan, hätte der Aufprall laut Forensikern seinen Schädel gesprengt und nicht die kleinen Wunden verursacht, die viele Zeugen gesehen haben. Stevenson schreibt, dass keine Patronenhülse gefunden wurde, und spätere Untersuchungen, die von König Bhumibol angeordnet, aber von späteren Regierungen unterdrückt wurden, ergaben, dass der Colt nicht abgefeuert worden war. Zudem wurde der Colt im Bett links vom König gefunden. Der König war jedoch Rechtshänder.

(Quellen: Britannica.com, Bonhams, W. Stevenson “The revolutionary King”)