50 Jahren Sicherheitslenkung inklusive Pralltopf

…und wieder FALSCH – lesen Sie dazu den Kommentar am Ende des Artikels

Ein wichtiger Schritt auf einem großen Weg: Ab August 1967 werden sämtliche Mercedes-Benz Personenwagen serienmäßig mit einer neuen Sicherheitslenkung inklusive Pralltopf ausgerüstet. Sie sind zwei von zahlreichen wichtigen Bausteinen der Stuttgarter Marke in der ganzheitlichen Entwicklung der Fahrzeugsicherheit. Dazu gehören Details wie das 1949 patentierte Sicherheitszapfentürschloss und der umklappbare Mercedes-Stern aus dem Jahr 1957 genauso wie grundlegende Konzepte, wie beispielsweise die Sicherheitskarosserie mit Knautschzonen (1959), das Anti-Blockier-System ABS (1978), der Airbag (1981) und das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP® (1995). Sicherheitsmaßstäbe zu setzen – das ist dem Erfinder des Automobils seit jeher ein besonderes Anliegen. Heute bringt Mercedes-Benz die Vision des unfallfreien und autonomen Fahrens mit dem ganzheitlichen Konzept Intelligent Drive voran, das auch Lösungen des vernetzten, autonomen, geteilten und elektrifizierten Fahrens umfasst.

Das Streben nach höherer Sicherheit für Fahrer, Passagiere und alle anderen Verkehrsteilnehmer ist ein Leitmotiv in der Markengeschichte von Mercedes-Benz. Umgesetzt wird diese Vision seit jeher in einem kontinuierlichen Prozess der Sicherheitsentwicklung. Das Ergebnis ist eine Vielzahl von Innovationen, die Maßstäbe setzen für die gesamte Automobilbranche.

Patentschrift Nr. 1 229 860 „Sicherheitslenkrad“

Weil das Ziel der Fahrzeugsicherheit immer komplexer wird, unterscheiden die Ingenieure und Forscher schon seit den 1960er-Jahren zwischen der aktiven Sicherheit (Fahr-, Konditions- und Bedienungssicherheit) sowie der passiven Sicherheit (innere und äußere Sicherheit). Heute stehen ganzheitliche Lösungen der integrierten Fahrzeugsicherheit im Vordergrund, die verschiedene Systeme miteinander verbinden. Mit Intelligent Drive bietet Mercedes Benz seinen Kunden Assistenz- und Sicherheitssysteme an, die ein Höchstmaß an Sicherheit, Komfort und Fahrerentlastung gewährleisten.

Sicherheitsentwicklung für jede Epoche

Ein wichtiger Baustein in der langen Geschichte der Sicherheitsentwicklung von Mercedes-Benz ist die Sicherheitslenkung mit Teleskoplenksäule und Pralltopf. Sie wird vor 50 Jahren – im August 1967 – serienmäßig für sämtliche Mercedes-Benz Personenwagen eingeführt. Sie umfasst zwei Innovationskomponenten, die im Falle einer Kollision konkrete Risiken für den Fahrer reduzieren: So schiebt sich die aus mehreren Teilen bestehende Teleskoplenksäule bei einer Frontalkollision zusammen, damit sie nicht in den Fahrzeuginnenraum eindringt. Der zusätzliche Pralltopf in der Lenkradmitte ist so konstruiert, dass er kinetische Energie aufnimmt und abbaut, wenn bei einem Crash der Fahrer dagegen geschleudert wird. Seine Entwicklung geht zurück auf ein erstes Patent im Jahr 1954.

Die Vorteile der Sicherheitslenkung sind 1967 auf den ersten Blick ersichtlich. Aber was macht eigentlich die Fahrzeugsicherheit in ihrer Gesamtheit aus? Jede Epoche der Automobilgeschichte hat ihre eigene Antwort auf diese Frage – und stellt dementsprechend eigene Ansprüche an den Hersteller. So stehen vor dem Zweiten Weltkrieg und in den frühen Nachkriegsjahren bei den Käufern von Mercedes-Benz Personenwagen vor allem Fahrkomfort und hohe Stabilität im Vordergrund. Denn, so die zeitgenössische Überlegung, ein möglichst robustes Fahrzeug schützt seine Insassen auch bei einem Unfall am besten.

Doch die Mercedes-Benz Ingenieure und Forscher denken zu dieser Zeit schon viel weiter. Denn bereits seit Ende der 1940er-Jahre entwickeln sie gezielt Lösungen für die Fahrzeugsicherheit – ein immer wichtigeres Ziel ihrer Arbeit. Zum heutigen herausragenden Sicherheitsniveau von Mercedes-Benz – und damit zu einem wichtigen Grundpfeiler der Marke – führt dabei ein kontinuierlicher Prozess mit einer langen Reihe von Innovationen. So steht auch die Sicherheitslenkung im Sommer 1967 nicht für sich allein. Vielmehr ist sie das Produkt einer Epoche, in der die konzerneigene Sicherheitsforschung viele wichtige Entwicklungen zur Serienreife und in die Produktion der Mercedes-Benz Personenwagen bringt.

Der Weg zur Fahrzeugsicherheit

Bereits 1959 hat die Sicherheitskarosserie mit gestaltfester Passagierzelle und Knautschzonen in den Mercedes-Benz „Heckflossen“ -Limousinen (W 111) Premiere. Vater dieser wegweisenden Konstruktion ist der Mercedes-Benz Ingenieur Béla Barényi, der 1951 ein Patent darauf anmeldet. Barényi ist im Jahr 1939 auf Empfehlung des damaligen Versuchsleiters der Karosserie-Entwicklung, Karl Wilfert, eingestellt worden. Dort wird ihm die Aufgabe übertragen, neue Fahrzeugkonzepte zu entwickeln.

Bis zum Jahr 1974 wird Barényi bei Mercedes-Benz arbeiten und in dieser Zeit mehr als 2.500 Patente auf seine Erfindungen erhalten. Viele davon werden zur Grundlage von wegweisenden Lösungen der automobilen Sicherheit in der gesamten Branche. In den 1950er-Jahren arbeiten die Experten für Fahrzeugsicherheit aber auch an kleinen und dennoch feinen Lösungen, die zum Markenzeichen der Mercedes-Benz Personenwagen werden.

Umklappbarer Mercedes-Stern

Das gilt beispielsweise für den umklappbaren Mercedes-Stern, der vor 60 Jahren im Sommer 1957 Premiere hat. Seine Technologie ist zwar vergleichsweise einfach, doch auch sie bietet einen wichtigen Schutzfaktor für Fußgänger bei einem eventuellen Unfall. So kann das aus der klassischen Kühlerfigur hervorgegangene Markenzeichen bis heute verwendet werden – trotz des zum April 1959 verhängten Verbotes feststehender Kühlerfiguren in Deutschland.

In einem Schreiben der damaligen Daimler-Benz AG an die Niederlassungen und Vertretungen heißt es im Juni 1957 über diese Innovation: „Wir teilen Ihnen mit, dass für unsere Fahrzeuge ein ‚ umklappbarer’ Mercedes-Stern entwickelt wurde […]. Der Stern wird durch den Zug einer starken Spiralfeder in einem Kugelbett der nunmehr ganz flach gehaltenen Rosette befestigt und legt sich bei starkem Gegendruck um. Mit dieser Neuerung, die wir noch im Monat Juni einführen, wird die Verletzungsgefahr bei Unfällen vermindert.“

Sicherheit mit Stern: Das gilt bis heute für die Innovationsgeschichte der Stuttgarter Marke. Zu ihren markanten Punkten gehören in den 1950er- und 1960er-Jahren neben den bereits aufgeführten Lösungen beispielsweise auch die folgenden Innovationen:

  • 1954: Eingelenk-Pendelachse mit Schubstreben im Typ 220 (W 180)
  • 1957: Beckengurte als Sonderausstattung
  • 1958: Keilzapfentürschloss mit Doppelrasten zum Patent angemeldet
  • 1961: Scheibenbremsen im 220 SE Coupé (W 111) vorn und im 300 SE (W 112) sowie 300 SL Roadster (W 198) an allen vier Rädern
  • 1961: Verankerungspunkte für vordere Sicherheitsgurte in allen Mercedes-Benz Personenwagen und Schrägschultergurte als Sonderausstattung
  • 1963: Zweikreisbremsanlage als Serienausstattung aller Mercedes-Benz Pkw-Modelle

    Aufprallversuch für die Stabilität des Fahrgastraums. Solche Sicherheitsversuche werden seit 1959 auf dem Mercedes-Benz Prüfgelände in Sindelfingen ausgeführt. Das Bild zeigt einen Test mit Mercedes-Benz 220 S (Baujahr 1956-1959, W 180), der frontal auf ein Hindernis prallt. Ergebnis des Versuchs, für den die Türen herausgenommen werden: Die Sicherheitszelle verträgt den Stoß; der nicht angegurtete Fahrer wird gegen das Lenkrad geschleudert, dessen Pralltopf nachgibt. Da sich beim Aufprall der Sitz nach vorne schiebt und die Rückbank löst, werden die jeweiligen Befestigungen verstärkt.

    Der Kommentar zu dieser Pressemitteilung von Jörg Maschke: “Der Werkstext zu obigem Bild ist irreführend. Dort wird bereits von einem Pralltopf geschrieben, doch das Lenkrad des Ponton-Mercedes verfügt noch nicht über einen Pralltopf. Man erkennt sehr gut, daß das Lenkrad sich verbiegt und keinen besonderen Schutz bietet. Warum ist das einen Kommentar wert? Weil dieses Beschreibung die zuständige Mercedes-Abteilung vor Jahren dazu brachte für eine Ausstellung im Deutschen Museum in München einen Ponton an die Wand zu fahren um die Sicherheitsausstattung zu zeigen… angedacht war aber der Nachfolger…”