Gottlieb Daimler (IV): Der erste Mercedes
Von MB Classic am 4. April 2009
4. und letzter Teil der Serie zum 175. Geburtstag von Gottlieb Daimler. Bereits erschienen: “Die frühen Jahre – vom Büchsenmacher zum Krisenmanager“, “Ein Traum mit 100cm³” und “Ein Motor geht in Serie”.
Nach Gottlieb Daimlers Ausscheiden im Jahre 1894 ist die Daimler-Motoren-Gesellschaft dem Konkurs nahe, als ein englisches Konsortium 1895 unter Führung von Frederick Richard Simms die Lizenzrechte für den Phönix-Motor mit einer ungewöhnlich hohen Summe erwirbt. Voraussetzung ist, dass die Herren Daimler, Maybach und Linck wieder in ihre alten Rechte und in führende Stellungen eingesetzt werden. Seine Forderungen werden erfüllt.
Die DMG gewinnt dank der nun von Daimler und Maybach energisch vorangetriebenen Verbesserungen und Neukonstruktionen schnell wieder an Boden und gründet in Amerika, Österreich und England eigene Niederlassungen. Von größter Bedeutung für die DMG ist dabei die Verbindung mit Emil Jellinek. Wäre Herr Jellinek nicht ein aufmerksamer Zeitungsleser gewesen, hätte sich der Entwicklungsprozess der Daimler-Automobile um einiges verzögert und auch die Automobilmarke „Mercedes“ würde es höchstwahrscheinlich heute nicht geben.
So war es eine glückliche Fügung, als 1896 der österreichische Kaufmann Emil Jellinek in seinem schönen Wohnort Nizza einen Artikel über den Automobilbau im fernen Cannstatt entdeckte. Jellinek – ein Mann schneller Entschlüsse – knüpfte sofort Kontakte zu der DMG und kurze Zeit später begab er sich selbst auf die Reise zu den Schwaben, um direkt vor Ort ein neues Automobil zu bestellen. Obwohl der Automobilismus erst in den Kinderschuhen steckte, konnte Jellinek bereits auf Erfahrungen zurückgreifen, die er mit drei verschiedenen Wagen gemacht hatte, darunter war auch ein Benz-Fahrzeug. Richtig zufrieden war er aber mit keinem von ihnen, denn es mangelte ihnen allesamt an etwas, was Jellinek über alles schätzte: Geschwindigkeit.
In Cannstatt angekommen, gab er seine erste Bestellung bei der DMG auf. Sie betraf ein Doppelphaeton mit sechs PS. Doch auch dieser Wagen enttäuschte ihn – er erreichte lediglich 24,4 km/h. Also bestellte er sofort vier weitere Wagen – allerdings mit der Vorgabe, dass sie Tempo 40 bringen müssten. Als er die Wagen erhielt, wusste er, dass er mit der richtigen Firma Kontakt aufgenommen hatte. Die Wagen liefen wie gewünscht: 42 km/h! Die weitere Bestellung betraf ganze sechs Wagen, denn Jellinek betätigte sich inzwischen auch als Automobilverkäufer. Der Wunsch nach einem diesmal vorn eingebauten Vierzylindermotor erfordert eine grundlegende Neuentwicklung des Fahrzeugs, welches den Namen “Daimler-Phoenix-Wagen” erhielt. Mit einem dieser 23-PS-Wagen nahm.
Jellinek an der Rennwoche in Nizza 1899 unter dem Pseudonym “Mercedes” – dem Namen einer seiner Töchter – teil und gewann prompt eine Tourenfahrt.
Als sich im darauf folgenden Jahr ein tödlicher Unfall mit einem Daimler-Wagen ereignete, der auf konstruktive Unzulänglichkeiten zurückzuführen war, regte Jellinek bei der DMG den Bau eines völlig neu konzipierten Wagens an. Gefordert wurden längerer Radstand, niedrigerer Schwerpunkt und größere Motorleistung. Im selben Zuge regelte Jellinek seinen Status als Vertreiber der Wagen der DMG und es wurde vereinbart, dass er die Automobile unter dem Namen “Mercedes” vertreiben durfte. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, bestellte er kurzerhand 36 Wagen im Gesamtwert von 550 000 Goldmark – damals eine astronomisch hohe Summe. Nach herausragenden Erfolgen des neuen Wagens wurde die Wortmarke “Mercedes” 1902 gesetzlich geschützt und von der DMG für ihre Personenwagen generell übernommen.
Mit dem Tode Gottlieb Daimlers endet die erste Phase der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Auch deren Standort in der Seelbergstraße sollte bald aufgegeben werden. Bereits im August 1900 erwirbt die Firma ein großes Gelände in Untertürkheim, um expandieren zu können und als 1903 die Produktionsstätte „Seelberg“ abbrennt, findet dort der Bau einer neuen Fabrik rasch statt. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft nimmt in den folgenden Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Zwanziger Jahre schließlich kommt es 1926 zu einer Fusion der ehemals starken Konkurrenten Daimler und Benz – die Daimler-Benz AG ist entstanden.
Ab heute gibt es eine Sonderausstellung zum 175. Geburtstag Gottlieb Daimlers im 


Wie alle, die ihrer Zeit voraus sind, hat er’s schwer: Der erste Lkw der Welt begründet zwar den motorisierten Straßentransport im heutigen Sinn. Und doch findet er in Deutschland noch nicht einmal einen Käufer. Generell hat der Lkw anfangs eine Menge an Widerständen zu überwinden – ungleich mehr als der Pkw. Denn ganz im Gegensatz zum Pkw wird der Lkw nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Was die mondäne Gesellschaft als Bereicherung persönlicher Freiheit mit offenen Armen empfangen hatte, das stößt in gewerblichen Kreisen auf tiefe Skepsis: Investitionsgut hat Geld zu verdienen. Und eine ausgereifte Natur ist dem Erstling von Gottlieb Daimler natürlich nur bedingt zu Eigen, auch wenn die Zeit nun reif für ihn ist.
Gottlieb Daimler unternimmt auf dem Neckar bei Cannstatt die ersten Probefahrten mit einem Motorboot, das von seinem schnellaufenden Einzylindermotor angetrieben wird. Später – im Jahr 1889 – macht Daimler dem damaligen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck ein ähnliches Boot zum Geschenk.
Gottlieb Daimler meldete heute vor 120 Jahren (am 19.08.1885) seinen “”Reitwagen”" zum Patent an. Damit ist das erste Motorrad der Welt älter als das Automobil! Das Patent wurde ihm dann am 29.08.1885 erteilt. Das Thema Zweirad im Hause Daimler, Benz und allen Folgefirmen wurde allerdings nur in der Zeit der Weltwirtschaftskrise nochmal aufgegriffen und in Eigenregie wurden Fahrräder hergestellt. Seit Mitte der 90er Jahre kann man nun auch wieder Fahrrader mit dem Mercedesstern am Lenkerrohr beim Mercedeshändler kaufen, ob das ein Zeichen für eine schwache Wirtschaft gedeutet werden darf, müssen andere Stellen beurteilen.
Gottlieb Daimler meldete seinen Verbrennungsmotor mit stehendem Zylinder („Standuhr“) zum Patent an und erhielt dies heute vor 120 Jahren. Der unter DRP Nr. 34926 geschützte Motor, den er gemeinsam mit Wilhelm Maybach aus dem liegenden Versuchsmotor von 1883 entwickelte, stellte eine grundlegend neue Bauart dar, Kurbeltrieb und Schwungrad waren erstmals in einem öl- und staubdichten Kurbelgehäuse eingekapselt. Noch im gleichen Jahr wurde das Aggregat in ein Zweirad eingebaut, den so genannten „Reitwagen“ (DRP Nr. 36423, ausgegeben am 11. August 1886). Der 0,5 PS starke Versuchsträger war das erste Motorrad der Welt. Im November unternahm Gottlieb Daimlers jüngerer Sohn Adolf die erste Fahrt von Cannstatt nach Untertürkheim, wobei er Geschwindigkeiten bis zu 12 km/h erreichte.
Einer der Erfinder des Kraftwagens, Gottlieb Daimler, wurde heute vor 170 Jahren, nämlich am 17. März 1834 im württembergischen Schorndorf geboren. Mit 38 Jahren trat ein Wendepunkt in seinem beruflichen Werdegang ein: Er trat in ihrem Gründungsjahr 1872 in die “”Gasmotoren Fabrik Deutz”" ein, die gerade aus der Firma Langen & Otto beim Wandel in eine AG hervorgegangen war. Zehn Jahre später verließ er das Unternehmen und machte sich zusammen mit Wilhelm Maybach selbstständig. Sie erhielten gemeinsam viel Patente für Entwicklungen im Automobilbau, und sind so und durch das Unternehmen DaimlerChrysler und die Marke Maybach bis heute bekannt geblieben.
Als weltoffene Unternehmernatur bezog Gottlieb Daimler alsbald auch die USA in seine expansiven Überlegungen ein. Über Wilhelm Maybachs Bruder, der bereits in Amerika arbeitete, kamen schon früh Kontakte zu dem an fortschrittlicher Technik interessierten, erfolgreichen Klavierfabrikanten William Steinway zustande. Nach dem Erwerb der Daimler Patent-Lizenzen für die USA am 29. September 1888, gründete er die „Daimler Motor Company“ auf Long Island, New York. Näheres zu diesem Thema findet man auch in der MVC Depesche 3/02, die man noch gegen eine Gebühr von Euro 7,50 (inkl. Porto) nachbestellen kann.
Von vier bis zehn PS reichte die Leistung, von 1500 bis 5000 Kilogramm die Nutzlast. Kaum war der erste Lkw von Gottlieb Daimler anno 1896 nach England geliefert, stand auch schon jenes vier Typen umfassende Lkw-Programm, das Daimler ab September 1896 anbot. Freilich orientierte sich die Konstruktion immer noch recht stark am Daimler’schen Riemenwagen, der für den Personenverkehr konzipiert war und sich für höhere Gewichte nur bedingt eignete. Noch 1896 verlegten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach beim Sechs-PS-Fahrzeug zum Beispiel den bis dahin am Heck postierten, zweizylindrigen Phoenix-Motor unter den Fahrersitz, wobei das Viergang-Riemengetriebe ebenfalls nach vorn wanderte. Doch ließ auch diese Lösung noch einige Wünsche offen. Im Jahr darauf bekam der Lkw dann schließlich jenes Gesicht, das ihn vom Pkw erstmals deutlich unterschied und den Weg zu immer höherer Leistung und Nutzlast ebnen sollte: Der Motor fand seinen angestammten Platz nun ganz vorn, war vor der Vorderachse angeordnet und gab seine zehn Pferdestärken über ein Viergang-Zahnradgetriebe sowie durchgängige Längswelle und Ritzel an die Innenzahnkränze der eisenbereiften Hinterräder weiter.