Das Göttinger Ei in 1/43

Das Göttinger Ei in 1/43
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Aus dem MBMC Newsletter 9/2015

Ei 1Autocult ist ein neuer deutscher Anbieter, uber den Andreas Bunte von Miniauto folgendes schreibt: „Autocult widmet sich Nischenmodellen der Automobilgeschichte:

Stromlinienfahrzeuge, Prototypen, Kleinstwagen und demnächst noch einiges mehr an vergessenen oder unbekannten Fahrzeugen, die es bislang nicht als Modell gab. Hinter der neuen Firma steht Thomas Roschmann mit seinem Team, der vielen Modellautosammlern bereits bekannt sein dürfte, und seine Ideen nun in seiner eigenen Firma realisieren wird.

Alle Modelle im Maßstab 1:43 werden aus Resine gefertigt, und haben eine Auflage von 333 Stück. Derzeit sind monatlich überschaubare 3 Modelle geplant, später wird man das monatliche Neuheitenprogramm ausweiten und bis zu 5 Modelle präsentieren. Alle Modelle sind in einer kleinen Vitrine mit Booklet untergebracht.

Unter den ersten drei Modellen befindet sich der bekannte „Schlörwagen“ auch als „Göttinger Ei“ bekannt, eine aerodynamische Studie der Aerodynamischen Versuchs Anstalt in Göttingen, 1939 unter der Leitung von Professor Karl Schlör auf dem Fahrgestell eines Mercedes 170H gebaut.

Ei neuDas Modell wird in einer Einzelvitrine mit einem „booklet“ (Neudeutsch) angeboten, das einen Einblick in die Geschichte des Modell-Vorbilds gibt, und kostet um 85,-€

Hier, mit freundlicher Genehmigung von Thomas Roschmann und Andreas Bunte, der „booklet“-Text zum „Schlörwagen“:

Seiner Zeit voraus, wurde im Jahre 1939 auf der IAA-Ausstellung in Berlin der Schlörwagen, ein Prototyp, vorgestellt. Karl Schlör von Westhofen-Dirnstein (1911-1997), ein deutscher Ingenieur, entwickelte dieses Auto an der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA) in Göttingen. Sein Ziel war, den Treibstoffverbrauch zu minimieren, indem er sich bei der Konstruktion der Karosserie an den Flugzeugtragflächen orientierte. Und es gelang ihm!

Ei 2Sein Prototyp, mit dem Spitznamen „Göttinger Ei“, auf dem Fahrgestell eines Mercedes-Benz 170 H gebaut, hatte 20 % – 40 % weniger Kraftstoffverbrauch als sein Serienmodel.

Der Ingenieur sagte sogar eine höhere Höchstgeschwindigkeit von ca. 30 % bis 40 % voraus.

All dies wurde durch seine stromlinienförmige Karosserie, welche fast die gesamten Räder bedeckte, erreicht – im Gegensatz zu späteren treibstoffeffizienten Autos, aerodynamischen Prototypen und Rekordfahrzeugen, bot der Schlörwagen sogar ausreichend Platz für die ganze Familie. Die Fenster waren in eine gleichmäßige Oberfläche aus Aluminium voll integriert und der Unterboden war komplett geschlossen, was eine große Auswirkung hatte. Das Endergebnis war ein Cw-Wert von 0,186 bei den damaligen Messungen, aber bei einem späteren Test mit einem Nachbau von VW-Technikern in den 1970er Jahren wurde ein Cw-Wert von 0,150 festgestellt. Einige moderne Prototypen waren in der Zwischenzeit besser, jedoch konnten sie nicht den gleichen Platz wie der Schlörwagen bieten. Vergleicht man heutige Fahrzeuge mit ähnlichem Platzangebot, so liegt der Cw-Wert zwischen 0,240 und 0,300.

Nichtsdestotrotz, aus zwei Gründen schaffte es der Schlörwagen vom Prototypen nicht in die Serienproduktion: Die Form und nochmal die Form!

Mit seinem niedrigen Cw-Wert reagierte der Schlörwagen sehr stark gegen Seitenwinde. Das machte es so schwer oder sogar gefährlich das Auto zu kontrollieren. Außerdem waren die Menschen noch nicht bereit für ein solches Design. Obwohl die inneren Werte des Wagens entscheidend waren, wurde damals die Karosserie als sehr komisch und hässlich angesehen.

Während des zweiten Weltkrieges, blieb der Schlörwagen ein Experimentwagen und wurde später zerlegt. Karl Schlör versuchte nach dem Krieg vergeblich seinen Wagen von der Britischen Militärverwaltung wieder zu bekommen. Über den Verbleib des Wagens ist leider nichts bekannt.

Ei altZur Erinnerung: es gab bereits vor einigen Jahren (2004) ein Resine-Modell dieses Wagens in 1:43, ein im Auftrag unseres ehemaligen MBMC-Mitglieds Stanislav Kiriletz von ALF in der Ukraine auf circa 70 Stuck limitiertes Modell, das nur MBMC-Mitgliedern zuganglich war. (Siehe diesbezüglich auch MBMCJournal Ausgabe 3/2004, Seite 27). Im Vergleich war das ALF-Modell mangels Unterlagen nicht ganz akkurat in einigen Details, und doch trotz Mangel an Dokumenten eigentlich ganz gut gelungen.